Mein Weg zum "Ironman"und mir selbst... und was auch du daraus lernen kannst.
- schoenherrtobi
- 26. Okt. 2025
- 27 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Jan.
Wie ich es geschafft habe, mich innerhalb von nur 8 Monaten, vom

untrainierten Hobbyathleten, hin zum Finisher einer Triathlon-Langdistanz zu entwickeln.
(Für Faullenzer gibt es zum Abschluss ein Fazit, das solltest du wenigstens lesen...)
Ironman, was ist das eigentlich?
Der Begriff "Ironman" wird umgangssprachlich für die Langdistanz im Triathlon verwendet. Viele von euch kennen den Begriff und verbinden es mit der Triathlon-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Ironman ist erst einmal nur der Name eines Unternehmens, welches, wie andere Unternehmen oder Vereine auch, die Langdistanz im Triathlon als Wettkampf für Profi-, und Hobbysportler anbietet, deren Finisher sind dann eben "ein Ironman". Aber der Begriff ist A unisex, also es gibt keine Ironwomen und B sind umgangssprachlich alle Finisher einer Triathlon Langdistanz ein Ironman. Spitzfindige Menschen möchten das aber bestimmt trennen :-)
Triathlon an sich besteht aus drei, in fester Reihenfolge zu absolvierenden, Sportarten, dem Schwimmen, dem Radfahren und dem Laufen. Dabei gibt es viele unterschiedliche Distanzformen, die auch variabel gehalten werden können und die Distanzen in ihrer Länge flexibel sind, aber um es hier nicht unnötig zu verkomplizieren, nenne ich nur die vier gängigsten.
Kurz-, Sprintdistanz 0,5 / 20 / 5
Olympische Distanz 1,5 / 40 / 10
Mitteldistanz 1,9 / 90 / 21,1
Langdistanz 3,8 / 180 / 42,2
Die Zahlen hinter den Begriffen beschreiben die zu absolvierenden Distanzen in Kilometern, beim Schwimmen / Radfahren / Laufen.
Ein Ironman ist also eine Triathlon Langdistanz, bei der zuerst 3,8km geschwommen, danach 180km auf dem Fahrrad zurück gelegt und zum Abschluss ein Marathon von 42,2km Länge gelaufen wird. Ingesamt also 226km.
Mein sportliches Dasein zuvor.
Ich habe, als junger Erwachsener, eher schlecht als recht Fußball gespielt. Da ich definitiv zu den "Bewegungs-Legastenikern" gehörte und mit dem Ball nicht viel anzufangen wusste, wurde ich meist in der Abwehr eingesetzt. Laufen konnte ich einigermaßen und so konnte ich zumindest dort dem Gegner auf den Füßen stehen (im warsten Sinne) und meiner Mannschaft etwas helfen. Ein paar Jahre und Verletzungen später habe ich die Schuhe an den bekannten Nagel gehängt und Ausschau nach einer anderen Sportart gehalten, wo Verletzungen durch Dritte eher selten sind. So kam ich zum Triathlon.
Meinen ersten Triathlon, eine Kurzdistanz in Wolfsburg, habe ich mit etwas Mühe erfolgreich gefinisht und es hat in mir etwas ausgelöst. Ein regelrechtes Feuer wurde in mir entfacht. Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, nur wollte ich schneller werden und vor allem beim Laufen nicht aus dem allerletzten Loch pfeifen. So trainierte ich regelmäßig und machte, gemeinsam mit meinem besten Freund Lars, viele solcher Kurzdistanzen in ganz Norddeutschland. Es hat uns so viel Spaß gemacht, sich gegenseitig zu pushen, wer kann wen in welcher Distanz mehr Zeit abnehmen und wer wird am Ende schneller im Ziel sein? So steigerten wir uns zur Olympischen Distanz und sogar eine Mitteldistanz habe ich ins Ziel gebracht.
Nach ein paar Jahren, durch eine neue Beziehung und später die Geburten meiner Kinder, verlor ich den Sport mehr und mehr aus den Augen. Andere Dinge rückten in den Vordergrund, genauso wie mein Bauch. Und wenn ich dann doch mal wieder Sport machte, war es einfach nur schrecklich.
Ihr kennt das bestimmt. Im Kopf sind die Werte, die Zeiten und die Leichtigkeit der vorherigen Einheiten noch fest verankert, 5er Pace- kein Problem, doch nach wenigen Kilometern stellt man fest, das schaffe ich nicht ansatzweise mehr. Nach zwei Kilometern laufen pumpte ich wie ein Maikäfer und auch beim Schwimmen, wo ich immer so gut und schnell war, wurden die Flügel bereits nach wenigen hundert Metern lahm.
Also ließ ich es lieber ganz sein, weil so, nein so machte es keinen Spaß.
Das sportliche Comeback.
Im Grunde genommen erging es mir nicht anders, als vermutlich vielen von euch auch. Man findet immer viele Gründe, etwas nicht tun zu müssen und man dreht es sich so hin, es angeblich auch gar nicht tun zu können, weil... naja, man findet immer einen Grund.
Doch irgendwann hatte ich genug von den eigenen Ausreden, warum ich keinen Sport machen könne oder wolle. Ich wollte endlich wieder fit sein, so fit, wie damals zu meinen besten Zeiten im Triathlon. Oder noch darüber hinaus. Ja, das wäre natürlich noch besser. Fitter sein, als vorher, welch eine gute Idee, dachte ich mir. Voller Euphorie schmiedete ich einen Plan. Es wurde ein Plan, der größer, aber auch dümmer nicht hätte sein können. Eine Triathlon-Langdistanz sollte es werden. Und natürlich nicht irgendeine Langdistanz, nein, wenn ich schon einmal eine Langdistanz mache, vielleicht die einzige in meinem Leben, dann in Roth...
Ziel anpeilen und los.
Roth. Nicht die Farbe, sondern der Ort, 20km südlich von Nürnberg. Roth wird auch als "das Mekka des Triathlon" oder "Home of Triathlon" genannt. Warum? Nun, der DATEV Challenge Roth, wie er momentan heißt, ist, neben Hawaii, der wohl prestigeträchtigste Langdistanz-Triathlon und dazu der größte Triathlon der Welt, gemessen an der Anzahl von Startern und auch Zuschaúern vor Ort. Hinzu kommt seine jahrzehntelange Beständigkeit. Der ganze Landkreis lebt den Triathlon dort, was es für die Starter wirklich einzigartig macht. Ihr könnt ja mal nach "Solarer Berg" guuugeln, dann seht ihr, was ich meine.
Das Ziel stand also fest und damit auch zeitgleich das erste Problem. Zwar können beim größten Triathlon der Welt über 3.500 Einzelstarter starten, doch diese Plätze sind im nu weg. Die ersten 1.000 Startplätze werden immer am Tag nach dem Wettkampf für das Folgejahr vergeben. Ein paar Tage später erfolgt die Möglichkeit sich online, im eigentlichen Anmelde-Procedere einen Startplatz zu erhaschen. Und das geht so: Es ist immer an einem Montag, und die Online-Anmeldung öffnet um punkt 10:00:00Uhr. Und was soll ich sagen, um 10:00:35Uhr sind die verfügbaren Plätze weg. Wunderst du dich, was ich für eine Uhrzeit hingeschrieben habe? Stunden:Minuten:Sekunden!!! Genau, innerhalb von ca. 35 SEKUNDEN, sind alle Plätze weg. Wahnsinn... Und das jedes Jahr aufs neue.
Stornierte Anmeldungen werden zwar im Dezember nochmal per Losglück vergeben, aber das sind nicht so viele freie Plätze und der Andrang ebenfalls enorm hoch.
Also stand ich vor dem Problem: "Wie kann ich meine Chancen auf einen Startplatz erhöhen?" Die Lösung, ich muss mich klonen. Klonen in dem Sinne, dass nicht nur ich allein mich an dem besagten Montag um 10:00Uhr an den Rechner setze, sondern mehrere Personen das in meinem Namen versuchen. So aktivierte ich meine Frau, meinen Bruder, den Schwager und zwei Freunde. So versuchten nun also sechs "Tobi´s" einen Startplatz zu bekommen. Alle mit meinen Daten und sollte es mehrfach klappen, lässt man einfach übrige Startplätze verfallen. Man bekommt also nur die Möglichkeit, sich innnerhalb weniger Tage verbindlich anzumelden. Die stornierten Startplätze werden dann im Dezember neu vergeben. So läuft das Spiel und das machen natürlich auch ganz viele so. Viele versuchen mit mehreren Leuten einen Startplatz zu bekommen, was es wieder einmal für alle nicht einfacher macht.
Ich selbst war zu dem Zeitpunkt in Kroatien im Familienurlaub. Meine Frau und ich, bei mittlerer Netzverbindung, also in der Morgensonne am Handy und tippten so schnell wir konnten die erforderlichen Daten ein. Zeitgleich tippten Bruder, Schwager und Freunde sich die Finger wund. Ich hatte Glück, und??? Tatsächlich hatte ich selbst das große Glück und konnte einen Startplatz erwerben. Welch eine Freude...
Wichtige Lektion, auch für DICH: Setze dir Ziele. Es ist unheimlich wichtig, sich klare Ziele zu setzen, denn nur wenn ich weiß, wo ich eigentlich hin möchte, was ich erreichen möchte, weiß ich auch, ob und wann ich das Ziel erreicht habe. Habe also keine Angst, dir ein festes Ziel zu setzen, nur weil man im Umkehrschluss natürlich auch weiß, dass man ein Ziel vielleicht noch nicht erreicht hat. Glaube mir, ein klares Ziel vor Augen, ein Ziel welches ich unbedingt erreichen möchte, wirkt wie ein Booster.
Nach großer Freude folgt tiefe Trauer.
Wir haben zu diesem Zeitpunkt Juli 2019, und nun hatte ich also meinen Startplatz für Juli 2020. 12Monate zum Vorbereiten, das sollte reichen um ins Ziel zu kommen, dachte ich. Die folgenden Wochen habe ich sehr viele Gespräche mit Menschen geführt, die selbst bereits eine, oder auch mehrere Langdistanzen gemacht hatten und wollte Ideen und Ratschläge zum Training haben. August und September werden erstmal zum Reinkommen ins Training genutzt, ab Oktober sollte die eigentliche Vorbereitung beginnen. Fitness bis hier her? Sagen wir kaum vorhanden.
So vergingen die Wochen und ich startete im Oktober wie geplant mit der strukturierten Vorbereitung und meine körperliche Fitness wurde von Block zu Block besser. Block? Naja, ich hatte die Vorbereitung in vierwöchigen Blöcken geplant. Drei Wochen Belastung, eine Woche Regeneration. Dann wieder drei Wochen Belastung, eine Woche Regeneration usw.. Ich musste aber feststellen, man kann sich gern viel vornehmen, 8, 10, 12 oder 14 Stunden Training pro Woche, am Ende entscheidet dein Körper, wie er damit umgeht. Und das merkte ich auch bald.
Die Einheiten in den Belastungswochen wurden, subjektiv gefühlt, zunehmend härter und die Woche Regeneration, wo man weniger lang und hart trainiert, war gefühlt ziemlich kurz. Was man trainiert, muss man anschließend auch erstmal regenerieren, bevor man den nächsten Trainingsreiz setzen sollte. Und so wurde mein Optimismus und die Euphorie etwas vom eigenen Körper ausgebremst. Nichts mit "dann trainiere ich 12-14 Stunden pro Woche", Pustekuchen, 8 Stunden die Woche dann irgendwann 10Stunden, das war die Realität. Zumindest wenn man wie ich ein Übertraining oder Verletzungen vermeiden möchte.
Wichtige Lektion, auch für DICH: Höre immer auf deinen Körper. Wenn etwas schmerzt, sich deutlich anders, schlechter anfühlt, als du es von dir kennst, wie eben ein Schmerz, ein Zwicken, dann schaue einmal ganz genau hin, was es auslöst. Lerne (wieder) die Symptome des Körpers zu verstehen, denn kein Signal aus deinem Körper ist grundlos. Wir müssen aber hinhören.
So verging also Monat für Monat, das Training nahm sehr viel Zeit in Anspruch und ich hatte ja auch noch einen Beruf und zwei kleine Kinder, die auch ihre Ansprüche an mich als Vater hatten und da alles unter einen Hut zu bekommen, war schon eine eigene, kleine Herausforderung.
Das Frühjahr brach herein und mit den ersten warmen Tagen im März, starten die zunehmend längeren Touren mit dem Rennrad. Die Radeinheiten verlagern sich von der Rolle im Keller zunehmend nach draußen. Die Motivation bekommt nochmal einen Schub, es macht natürlich viel mehr Spaß, nach dem langen, kalten und nassen Winter, nun endlich mal wieder in kurzen Hosen zu laufen oder zu radeln.
Die Fitness stieg, ich fühlte mich schon recht fit, zumindest für meine Verhältnisse. Ich sah mich langsam in der körperlichen Lage, mein Ziel zu erreichen und schließlich waren ja auch noch ein paar Wochen Vorbereitung vor mir. Und dann? Ja, was kam dann, im Frühjahr 2020?
Richtig, Corona... Und im weiteren Verlauf dann auch die schon zu erwartende Absage des Rennens. Aus, Schluss, vorbei. Das war´s. All die Wochen und Monate der Vorbereitung, der Aufwand sich jede Woche die Zeit freizuschaufeln um zu trainieren, die Motivation hoch zu halten, sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, alles umsonst. Hinzu kam natürlich die allgemeine, ja schon weltweite Unsicherheit, der wir alle ausgesetzt waren zu dieser Zeit. Und so viel ich in ein Loch, ein mentales Loch in mir, verdeckt von Angst und der Ablenkung durch die weltweite Pandemie.
Halte fest an deinen Zielen.
Die allgemeine, weltweite Verunsicherung, die Situation im Land in den folgenden Monaten mit all den verhängten Ausgehverboten, der Maskenpflicht usw., werde ich hier nicht weiter thematisieren. Doch wie ging es sportlich weiter?
Der Veranstalter des DATEV Challenge Roth stand natürlich genauso unter Druck, wie alle Unternehmen in dieser Zeit. Die hohen Kosten, die bei so einem Event entstehen, bleiben, sind schon ausgegeben oder vertraglich fix, doch die Einnahmen sind weg. Die meisten Athleten hatten die angebotene Zusatzversicherung abgeschlossen, mit der man, bis einen Tag vor dem Start, seinen Startplatz auf das Folgejahr schieben konnte. Zu normalen Zeiten ein toller Service, denn Verletzungen in der harten Vorbereitung sind schnell geschehen und so konnte man zumindest die mehrere hundert Euro Startgebühr zu 90% retten und seinen Startplatz im Folgejahr antreten und neu buchen. Und diese Option wollten die Athleten natürlich auch nutzen. Und so überlegte sich der Veranstalter einen klugen Schachzug. Jeder Athlet bekam die Möglichkeit, bei dem Verzicht auf mind. 100€ oder mehr des Startgeldes, zwei Starts in den kommenden zehn Jahren zu erhalten. Also die Möglichkeit, einen Startplatz zu erwerben, die Startgebühr muss man natürlich trotzdem bezahlen. Aber bei den geringen Chancen, überhaupt einen Startplatz zu bekommen, natürlich ein Deal, über den man nachdenken sollte.
Ich nahm das Angebot an. Zum einen um zu helfen, denn für ganz viele Unternehmen war es eine schlimme Zeit, aber natürlich auch aus eigenen, egoistischen Gründen, denn zwei Starts in den kommenden zehn Jahren, ganz ohne Stress und das erforderliche Glück, das klang gut in meinen Ohren. Und ganz nebenbei und schon vorweg genommen, diese Entscheidung sollte mir später zugute kommen.
Doch im Jahr 2021 hatte ich ja erstmal meinen Startplatz, verschoben aus 2020.
So rappelte ich mich wieder auf. Es war ein zäher und anstrengender Prozess, sich neu zu motivieren, die Ziele erneut zu stecken und sich wieder auf einen langen steinigen Weg einzulassen, der von mir, aber auch meinem engeren Umfeld wieder viel abverlangen würde.
Wichtige Lektion, auch für DICH: Aufstehen, Mund abputzen, weitermachen. Das ist es, was wir immer und immer wieder im Leben machen und auch machen müssen. Halte fest an deinen Zielen. Nur weil du einmal mit dem Rad hingefallen warst, hast du ja als Kind auch nicht aufgehört, Fahrrad fahren zu lernen. Wie oft fallen wir als Kind hin, bis wir laufen können? Nur was wir als Kind inne haben, das Ziel ganz fest vor Augen zu haben, den Drang etwas zu erreichen, verlernen wir leider über die Zeit.
Und hier ist ein weiterer Baustein zum Glück, zum Erfolg zu finden. Halte fest an deinen Zielen.
Und so stieg ich erneut in meine Vorbereitung ein. Wieder ab Oktober strukturiert, analog des Vorjahres. Das Ziel hatte ich mir wieder fest in den Fokus gelegt, die Motivation war oben, familiär alles besprochen, denn natürlich bedeutet es auch hier ein weiteres Jahr mit zeitlichen Herausforderungen zu meistern. Meine Form stieg, ich hatte mir ja eine gute Grundlage mit der vorherigen Vorbereitung gelegt, auf der ich nun aufbauen konnte. So wurde ich fitter als im Vorjahr und sah mich ganz fest dabei, mein großes Ziel zu erreichen. In wenigen Wochen werde ich meine erste Langdistanz finishen. Zwei Jahre Training, dadurch viele abgesagte private Termine, weil ich trainieren musste, der Verzicht auf viele Dinge die ich gern mochte, aber die nicht im Einklang mit meinem Ziel standen. Nun endlich war Zahltag. Ernte, wie es ein Landwirt sagen würde. Ich stand vor meinem persönlichen Ziel und musste nur noch eintreten. Doch es sollte wieder alles ganz anders kommen.
Mich selbst ignoriert.
Vier Wochen vor meinem Ziel, dem Start beim DATEV Challenge Roth 2021, machte sich mein Körper bemerkbar. Bei langen Läufen bekam ich zunehmend Schmerzen, anfangs nach 20km, dann bereits nach 15km. Der Schlüsselmoment war, als ich über eine Holzbrücke lief und meine Schritte darauf einen hörbaren unrunden Lauf verdeutlichten. Es klang, als ob ich eine "acht" im Reifen hätte. Hier wurde mir klar, Tobi, du hast ein Problem, ein großes Problem.
Ich hatte mich selbst, meinen Körper ignoriert, die Schmerzen beim Laufen, das Zwicken im Rücken beim Radfahren, die zunehmende Müdigkeit, Schwerfälligkeit in den Einheiten, plötzlich wurde es mir so klar. Alles fügte sich nun zu einem Bild zusammen und alles machte Sinn. Ich hatte die vielen Signale, die mir mein Körper gesendet hat, ich habe sie alle ignoriert und nicht gesehen, oder sehen wollen. Und wo ich begann, da wirklich drüber nachzudenken, stellte ich fest, die Signale kamen schon viel früher. Wenn ich z.B. auf dem Rad sitzend nach unten zum Boden schaute, war das Fahrrad nicht ganz gerade unter mir, sondern ganz leicht zur linken Seite gekippt, so als wenn ich ständig Seitenwind hätte.
Mein Ziel stand über allem, selbst über meinen eigenen Körper, ohne den ich das ja nie schaffen könnte, ohne den, ja, ohne den ich nichts bin, gar nichts.
Wichtige Lektion, auch für DICH: Setze dir Ziele, aber finde die Balance. Es ist ein schmaler Grad zwischen Zielstrebigkeit und Ignoranz. Egal zu welcher Seite wir zu kippen drohen, entweder droht das Ziel aus den Augen zu fallen, oder dabei wichtige Dinge zu ignorieren, wie z.B. Freunde, Familie oder wie bei mir, der eigene Körper.
Der Physio hat meinen Verdacht ein paar Tage später bestätigt. Mein Becken stand schief. Zwischen linker und rechter Beckenschaufel war ein Versatz von mehreren Zentimetern. Der Start in Roth war in dem körperlichen Zustand unmöglich. Das Becken wieder in die richtige Position zu bekommen und zu festigen, wird vermutlich Wochen dauern, Sport in der Zeit nicht möglich, ohne es gleich wieder zu sabotieren und dann auch nur langsam steigernd.
Das endgültige Aus.
Das war das Aus für mein Projekt "Langdistanz". Ein drittes Mal in Folge könnte ich die Kraft nicht aufbringen, die es bedarf, um mich erneut in die Verfassung zu bringen, das Ziel zu erreichen.
Zwei Jahre Training für die Katz. All die Aufwendungen, Entbehrungen im privaten und freundschaftlichen Bereich. Die finanzielle Ausgaben die man macht, für Verpflegung beim Training, die Ausrüstung die man für das große Projekt anschafft, die gebuchte Unterkunft die man nicht mehr braucht, das zum Teil verlorene Startgeld. Über 2.000€ und die gefühlt vergeudete Lebenszeit, alles umsonst und verpufft wie der große Traum vom Finishen einer Langdistanz.
Und so zog es mir wieder einmal erneut den Boden unter den Füßen weg. Das ganze Thema um Corona, was ja immer noch die Tagesabläufe aller zu dieser Zeit beeinträchtigte, setzte dem den Deckel drauf, und ich hatte keinen Antrieb mehr, aber dafür viele körperliche Probleme.
Wie geht es weiter?
Ich möchte hier ja kein Buch schreiben, sondern einen Blog. Zugegeben, einen sehr langen Blog. Somit verkürze ich hier den weiteren Verlauf für dich.
Sportlich hatte ich es abgehakt, mit dem Wissen im Hintergrund, zwei Starts in den kommenden zehn Jahren jederzeit angehen zu können. Mental war ich für Monate ausgebrannt und mochte mir keine neuen Aufgaben und Ziele setzen.
So verging die Zeit, aber innerlich trug ich weiterhin mein Ziel in mir. Ich wollte nach wie vor, einmal in meinem Leben eine Langdistanz ins Ziel bringen.
Im Frühjahr 2024 war es dann soweit. Abgesprochen mit der Familie, mit neuer Motivation gestärkt und das Ziel wieder klar fokussiert, zog ich meine Option und meldete mich für den DATEV Challenge Roth 2025 an.
Wichtige Lektion, auch für DICH: Auch wenn du fällst, wenn das Ziel sich so weit entfernt, dass du es nichtmal mehr sehen kannst, wenn alles so aussichtslos erscheint. Den letzten Tropfen der Hoffnung, deinen Glauben an dich, den bewahre dir und halte ihn ganz fest in deinem Herzen.
Aus Fehlern lernen.
Wir alle machen Fehler, mal große, mal kleine, mal haben sie Folgen, mal nicht. Das Wichtige jedoch ist, aus seinen Fehlern zu lernen. Und dieses Verhalten, das Lernen aus Fehlern, try and error, es ist uns in die Wiege gelegt.
Meinst du, irgendeine Erfindung, eine wichtige Errungenschaft, oder unser soziales, gesellschaftliche Verhalten wäre entstanden, wenn wir nicht dieses Verhalten evolutionär eingebaut hätten? Die ganze Natur handelt nach diesem Prinzip. Pflanzen, Tiere, (und wir Menschen sind letztlich auch nur eine weitere Tierart, ein Säugetier), alles entwickelt sich nach dem Prinzip "try and error" "Versuch und Irrtum".
Also bewahre dir diese Fähigkeit und lerne aus deinen Fehlern.
Ich habe in der Hinsicht aus meinen Fehlern gelernt, als dass ich mir ganz fest vorgenommen habe, gemeinsam mit meinem Körper das Ziel anzugehen, statt diesen und seine Bedürfnisse zu ignorieren. Und schwubs, hatte ich den nächsten Fehler entdeckt, den ich gemacht hatte. Aber wir lernen ja draus... :-)
Zustandskontrolle machen, Plan schmieden.
Ja, genau hier liegt der Fehler, von dem ich gerade schrieb. Eigentlich gehört "Zustandskontrolle" VOR "Plan schmieden", also einer Anmeldung zu einer Langdistanz. Es macht viel mehr Sinn, sich erstmal seine Ausgangsposition anzusehen und dann anhand dessen zu entscheiden, wann man das Ziel angeht, statt wieder einmal, wie ich, erst Tatsachen zu schaffen und dann seinen Plan daran anpassen zu müssen.
Aber so ist es nun mal gewesen, und ihr seht, ich bin bei weitem nicht besser und nicht anders, als du oder du.
Wir haben noch Frühjahr 2024 und ich habe bei meinen ersten Läufen schnell gemerkt, hier ist etwas grundsätzlich anders. Es fühlt sich ganz anders an, die Fortschritte von Einheit zu Einheit sind merklich kleiner als gewohnt. Meine Herzfrequenz war viel höher und auch schneller ganz weit oben, als die Jahre zuvor und ich war so schnell außer Atem. Was war hier los? Ganz ehrlich, ich hatte keine Ahnung. War es Long Covid, ein Impfschaden aus der Pandemie, ein Nähstoffmangel? Ich hatte keinen Plan, aber eines war klar, in diesem Zustand, wird es schwer sich auf eine Langdistanz vorzubereiten.
Eigenverantwortung übernehmen.
Hier war der Punkt erreicht, an dem ich beschloss, von nun an endgültig Eigenverantwortung für mich zu übernehmen. Bislang hatte ich meine Gesundheit, wie leider nahezu alle Menschen in diesem Land, abgegeben. Abgegeben in dem Sinn, als dass wir zum Arzt gehen, wenn es uns nicht gut geht und der soll uns nun wieder gesund machen. Wir müssen und wollen aber nichts dazu selbst beitragen, am besten eine Pille oder Spritze, und dann möchten wir aber auch bitte wieder fit sein. Doch nur ich kann über mich und meinen Körper entscheiden und nur DU über deinen. Nur ich kann beeinflussen, was ich esse und trinke, ob ich damit genug Nährstoffe aufnehme, oder zusätzlich supplementieren sollte. Dein Arzt kann das nicht und wird es auch nicht tun.
So musste ich mir eben die Frage stellen: Bewegte ich mich eigentlich ausreichend in den letzten Monaten und Jahren und was ist denn ansonsten wichtig, um gesund und gleichzeitig fit zu sein oder wieder zu werden?
Den Grundstein für die Eigenverantwortung hatte ich ganz unbewusst bereits vor Jahren gelegt, denn aus persönlichem Interesse an Gesundheit und den, in meinen Augen, Irrweg der Schulmedizin, hatte ich bereits viele verschiedene Quellen gesucht und gefunden, um an qualitativ hochwertige Informationen zu kommen. Die findet man in der Regel selten in den Mainstream-Medien, sondern eher links und rechts daneben. So fügte sich schließlich alles, wie in einem Puzzle zu einem großen Bild zusammen. Ein Bild der Erkenntnis entstand. Ich hatte ja bereits über 25Jahre im Gesundheitssystem, genau genommen als Notfallsanitäter im Rettungsdienst, gearbeitet. Ich sah und sehe jeden Tag Menschen, die eben keine Eigenverantwortung übernehmen wollen, oder vielleicht auch noch nicht können. Ich sehe aber auch die Ergebnisse, die daraus entstehen und die sind einfach nur erschreckend.
So fasste ich den Entschluss, mich einmal gründlich "durchchecken" zu lassen.
Wer die Wahl hat, hat die Qual.
Durchchecken lassen, das höre ich beruflich leider auch immer wieder, nahezu täglich. "Lass dich mal richtig durchchecken", sagen die Angehörigen zu unseren Patienten sehr oft, oder "ich habe mich beim Hausarzt durchchecken lassen, da ist alles in Ordnung."
Die Menschen glauben, in der Medizin, egal ob beim Hausarzt oder im Krankenhaus, wird man auf Wunsch mal so richtig durchgescheckt, wie das eigene Auto in der Werkstatt, wenn der TÜV ansteht. Ne Freunde, ein Durchchecken, so wie ihr euch das vermutlich vorstellt, gibt es in dieser Form nicht. Es wäre aber ein ganz eigener Blog, und darum möchte ich das hier nicht weiter thematisieren.
Ich wollte aber tatsächlich durchgecheckt werden, also eine Nährstoffanalyse, Stuhlanalyse, Darmflora und Blutwertanalyse und nicht nur das "große Blutbild" wo nicht viel, wirklich wichtiges, gemessen wird. Eben einen richtigen vollumpfänglichen Check. Vollumpfänglich, das lernte ich schnell, gibt es nicht, einfach weil es viel zu viele Parameter gibt, die man heutzutage messen kann. Also musste ich es eingrenzen und informierte mich weit gefächert. Und so habe ich eine Praxis gefunden, die in meinen Augen das angeboten hat, was meinen Erwartungen am nächsten kam. Nur blöd, die Praxis ist am Bodensee.
Was fällt unter Eigenverantwortung?
Jetzt hatte ich also meine Wunschpraxis gefunden, nur war diese 650km von mir entfernt. Ich fahre mal eben kurz zum Arzt, das war also schonmal nicht möglich. Es wäre eine kleine Reise notwendig, mit Übernachtung, Verpflegungs-, und Reisekosten, dazu die eigentliche Untersuchung beim Arzt und die Laborkosten. Ist das etwa die erwähnte Eigenverantwortung? Und warum zahlt das nicht meine Krankenkasse? Tja Freunde, in der Tat werden solche Kosten gar nicht, oder nur zu sehr geringen Anteilen übernommen. Und hier beginnt tatsächlich die Eigenverantwortung.
Das hier tiefer zu thematisieren, ob das nun richtig so ist, ob man das von jedem erwarten kann oder nicht, das wäre wieder ein eigener Blog, und man kann da sicherlich auch unterschiedlicher Meinung sein und das sehr kontovers diskutieren.
In meinem Fall, und darum soll es hier ja gehen, hatte ich mich dazu entschieden, die Kosten zu tragen. Damit es aber zumindest irgendwo zu rechtfertigen ist, habe ich das mit einem Kurzurlaub der Familie verbunden. Ein Termin war eh nicht kurzfristig zu bekommen und so haben wir, viele Wochen später, Freunde im Schwarzwald besucht, und dabei eben auch eine Nacht am Bodensee verbracht, so dass ich morgens und nüchtern die Untersuchung machen konnte.
Zu Beginn wurde mit mir ein Analysegespräch geführt, damit der Arzt einschätzen kann, wonach wir gemeinsam suchen müssen, was für Werte erhoben werden sollen und wie es bisher in meinem Leben aussah. Bei diesem Analysegespräch hörte ich dann: "Das Ergebnis der Blut und Stuhluntersuchung kann ich aber erst in drei Monaten mit ihnen besprechen", vom Arzt... WAAAAS? Warum konnte man das nicht früher sagen? Am Telefon z.B., als ich den Termin gemacht hatte. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich zu einem anderen Arzt gefahren. Aber nun war ich ja schonmal da, hatte alles so organisiert um nun hier zu sein, diese Kröte, musste ich nun wohl schlucken. "Von der Teilnahme an dem Triathlon würde ich ihnen abraten", sagte der Arzt später noch, "der zusätzlich wirkende Stress des Trainings auf den eh schon gestressten Körper, könnte ihre Heilung deutlich verlangsamen, machen sie das lieber erst in einem Jahr". Bumms, das hat gesessen. Erst bekomme ich die Nachbesprechung mit monatelanger Verzögerung verkündet und nun auch das noch. Ärztliches Abraten von meinem Plan. Meiner Frau durfte ich das schonmal nicht sagen :-)
Doch ein erneutes Abbrechen, wieder ein Scheitern mental verarbeiten müssen, das kam für mich nicht in Betracht. Ich werde das durchziehen, sagte ich mir, aber sinnvoll geplant und vor allem mit Rücksichtnahme auf meinem Körper.
Die Vorbereitung.
Es war mittlerweile schon Mitte Oktober 2024, als ich von dem Kurzurlaub und der Reise zum Arzt zurück kam. Die Vorbereitung musste nun beginnen, hätte schon längst angefangen haben müssen. Bisher war ich nur ein paar mal laufen, hatte Laktatwerte wie ein Pandabär und meine Grundlage der Vorjahre war nicht mehr spürbar. Ich war bei Null und hatte noch gut acht Monate, um mich in Form zu bekommen. Wenig Zeit für so ein Projekt, ist das denn überhaupt möglich? Ja es ist möglich, das spürte ich und ich wusste ja auch aus der Vergangenheit, wo meine Fehler lagen. Und wenn ich in meiner Vorbereitung merken sollte, dass es doch nicht funktioniert, kann ich es ja immer noch abbrechen, dachte ich mir.
Also legte ich mit dem strukturierten Training los. Langsam, nur Stück für Stück erhöhte ich die Wochenstunden und Intensitäten, legte viel Wert auf eine angemessene Regeneration. Ich hörte genau zu und hin, was mein Körper mir mit Symptomen, mit dem Befinden vor und nach den Einheiten sagen möchte. Bin ich heute fit genug, für die geplante Einheit, oder sollte ich anders planen? Ich legte viel mehr Wert auf die Ernährung, aber ohne mir alles zu verbieten, sondern mehr Qualität, statt Quantität. Ich wollte es schaffen, ohne mich dabei zu kasteien. Gesunder Schlaf war mir sehr wichtig, also kaufte ich ein Bettlaken welches geerdet war, weil ich in meinem Selbststudium gelernt hatte, dass es ein weitere Part zum gesunden leben sein kann. Ich informierte mich intensivst über Makro-, und Mikronährstoffe, über Spurenelemente und Mineralien. Was macht Sinn, zumindest in meiner jetzigen Situation, wo ich ja noch keine Ergenbisse meiner Untersuchung hatte, zu supplimentieren? So habe ich nach meinem besten Wissen und Gewissen gehandelt und Supplemente in einer Dosierung eingenommen, wie ich es für notwendig gehalten habe. Ich wollte die drei Monate, bis ich die Auswertung meiner Untersuchung haben würde, so gut und effektiv nutzen, wie ich es allein bewerkstelligen konnte. Die Ergebnisse der Untersuchungen bekam ich ja dann nach ein paar Wochen auch per Mail und Post von den Laboren schonmal zugesandt. So konnte ich darin lesen und durch das Erlernte selbst die notwendigen Supplemente so gut ich es eben wusste ausarbeiten.
Ich teile hier ganz bewusst NICHT, was ich supplementiert hatte, denn das sollte immer individuell und auf dich und deinen Körper angepasst werden. Nimm nicht 1zu1 das an Supplementen ein, was ein anderer nimmt, sondern suche dir jemanden, der es gelernt hat und dich berät. Ich stehe dir dabei sehr gern an deiner Seite und berate dich.
Die Auswertung meiner Untersuchung.
Ende Januar war es endlich soweit, die Auswertung und Nachbesprechung inkl. weiterer Behandlungsweg stand an. Per Zoom hatte ich ein einstündiges Gespräch, wo wir gemeinsam den, mir vom Labor mittlerweile zugesandten, Laborbericht ausgiebig besprachen und die weitere Therapie ausgearbeitet haben. Und ich hatte in den letzten drei Monaten schon sehr viel richtig gemacht. Natürlich merkte ich das auch im Training, aber auch in dem Gespräch und Therapieplan, fanden sich ähnliche Ansätze wieder, wie ich sie bereits angegangen war. Natürlich gab es nun noch weitere Nahrungsergänzungsmittel, zum Aufbau und Unterstützung der Mitochondrien, oder weil mehrere Parameter aufgefüllt werden mussten. Ich hatte einen Parasiten im Darm, der behandelt werden musste und es gab auch Dinge, die ich gar nicht gebraucht hätte. Aber, und das ist das Wichtige gewesen, die drei Monate hatte ich gut überbrückt.
Soll jetzt der Rat sein, es mir gleich zu tun? Eigenständig Supplements nehmen? Auf gar keinen Fall! Never.
Ich hatte es eben schon einmal angedeutet. Wenn ich hier schreibe, "ich informierte mich intensivst", dann meinte ich das auch wirklich genau so. Ich habe mehrere Stunden am Tag, Woche für Woche und das über Monate am Rechner gesessen und mich nur damit auseinander gesetzt. Ich habe Fachärzte und Fachleute aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen gehört und studiert, allesamt aus dem Nicht-Schulmedizinischen Bereich, denn die Schulmedizin kannte ich ja bereits. Ich wollte so unbedingt diesen Triathlon machen, die bereits damit verbundenen Niederlagen wettmachen, sofern das gehen sollte, wieder gesund werden, mich besser fühlen, dass ich zusätzlich zu meinem (48Std./Woche) Beruf, Familie mit zwei kleinen Kindern, 8-10 Stunden Training pro Woche und den ganz normalen Alltagsproblemen denen wir alle ausgesetzt sind, auch das noch auf mich genommen habe. Ist das gesund? Nein, es ist nicht gesund!
Aber dieser Weg war für mich, in dieser Situation, die bessere Alternative, als nichts zu tun.
Und der Weg, den ich heute gehen würde, der war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Welchen Weg ich heute gehen würde?
Wichtige Lektion, auch für DICH: Such dir einen Fachmann, der dir, vor allem kurzfristig, helfen kann.
Heute würde ich tatsächlich einen Gesundheitscoach aufsuchen. Damals kannte ich den Namen nicht einmal. Es ist der Fachmann, zu dem ich Vertrauen aufbauen kann und der mir bei Bedarf auch langfristig helfen kann. Er bildet heute das dar, was früher der Hausarzt gewesen ist. Ein Fachmann der Gesundheit, der sich die Zeit nimmt, die erforderlich ist. Nur nicht auf einzelne Symptome und spezifischen Behandlungen dressiert wie dieser, sondern ganzheitlich denkend.
Wie ging es weiter?
Ich hatte jetzt alles zusammen, was notwendig war, um mich dahin zu bringen, gesund und fit an den Start gehen zu können. Ich wusste wie ich trainieren musste, worauf ich Wert legen sollte. Ich kannte meinen Körper so gut, dass ich sehr sensibel und feinfühlig mit ihm zusammen ausloten konnte, wo Grenzen sind. Mental hatte ich mir Ziele gesetzt, die realistisch waren, mit Optionen von guten aber auch schlechten Tagen. Bei einer Langdistanz können so viele Dinge passieren, die dich zum Aufgeben zwingen können, obwohl du topfit warst.
So trainierte ich zwar nicht ausreizend, was bedeutet, ja, es wäre auch mehr möglich gewesen, aber es war der Weg MIT meinem Körper. Und mein Körper zeigte mir, dass es der richtige Weg war, denn ich hatte keine Verletzungen. Kein Ziepen an einer Sehne oder Muskel, kein Schiefstand im Becken oder sonstige Beschwerden. Es war eben MEIN Weg.
Nun war endlich auch sehr viel Stress und Druck von mir gefallen. Ich hatte mein Ziel fest fokussiert, war mental vorbereitet und standfest, der Körper machte mit. Denn eines war klar, mein Plan ist zwar möglich, aber trotz allem durfte nichts dazwischen kommen, eine Erkältung oder so, denn was ich nicht hatte, war Zeit.
Im Mai machte ich dann über drei Tage eine Streckenbesichtigung in Roth. Dort habe ich zwei lange Einheiten auf dem Rad, über 110km und die vollen 180km, auf der originalen Wettkampfstrecke absolviert um diese kennen zu lernen. Das sollte man machen, um sich im Rennen dann besser die Kraft einteilen zu können und gefährliche Punkte der Strecke zu kennen.
Beim Abschlussfoto im späteren Zielbereich in Roth, der Zielbogen bleibt das ganze Jahr dort stehen, saß so nen Typ vor der Kamera und nahm seinen Podcast/Video auf. Da konnte ich ja nun nicht einfach hinter her laufen um mein Bild zu machen. Also wartete ich brav und anständig, bis die Location wieder frei war. Und wer der Störenfried? Andi Dreitz, Profi-Triathlet und Ironman Sieger und Gewinner der Challenge Roth 2019. Er ist aber auch 10 Jahre jünger als ich ;-)

Na da musste natürlich ein gemeinsames Foto gemacht werden und Zeit für nen netten Small Talk hatte er auch noch...
Das große Ziel, endlich erreicht.
Die Vorbereitung war soweit abgeschlossen, drei Tage vor meinem großen Rennen reiste ich nach Roth. Die Tage vor dem Rennen vergingen viel zu schnell. Man möchte so viel aufsaugen, von der Stimmung und der Atmosphäre vor Ort. Es war ein Genuss das erleben zu dürfen und allein dafür hat es sich schon gelohnt. Doch natürlich war eines noch zwingend erforderlich, das Rennen zu finishen.
226km, drei Disziplinen. Es hatte sich wegen hoher Temperaturen in den vorherigen Wochen bereits angedeutet, das Wasser im Main-Donau-Kanal, wo geschwommen wurde, war sehr warm. So warm, dass das Tragen vom Neo, dem Neoprenanzug, verboten werden musste. Was bedeutet das für die Athleten? Naja, gute Schwimmer verlieren 3-4 Minuten, schlechte Schwimmer bis zu 20 Minuten oder noch mehr. Verlieren in dem Sinne, diese Zeit benötigst du eben mehr für die 3,8km, denn ein Neo bringt Auftrieb, verbessert damit die Wasserlage und macht dich somit schneller. Bei mir sind das rund 6 Minuten die ich länger benötigen würde, also machte ich mir darüber keinen großen Kopf.
Und dann, ja dann war der große Tag endlich gekommen. 3:40Uhr aufstehen, wach werden, Kaffee trinken, etwas essen. 5:00Uhr Abfahrt zum Kanal, einchecken und in der Wechselzone nochmal alles kontrollieren und warten, dass die eigene Startgruppe zum Start aufgerufen wird. Diese Zeit war sooo wertvoll, denn man saugt alles auf, es wirkt wie ein Traum, und du realisierst erstmals so richtig, was du bis hier her alles geleistet hast. Nervig ist nur, dass man Bedenken hat, direkt vor dem Start nochmal aufs Klo zu müssen, oder im Rennen, denn so schön und sauber sind diese Dixi´s nun auch nicht. Aber auch das hat alles gut funktioniert ;-)
Start!!! Das Schwimmen der 3,8km, also ohne Neo, war kein Problem, nach 01:13Std war ich damit durch und fühlte mich gut. Ich habe bewusst kontrolliert und locker das Tempo gesetzt, der Tag wird lang... Der Wechsel auf das Rad verlief ebenfalls gut, dann ging es auf die 180km lange Radstrecke. Gefahren werden zwei Runden, mit insgesamt rund 1500Höhenmetern, also da muss man schon ein paar Hügel rauf fahren. Genau genommen geht es immer hoch, oder runter, einfach mal flach, das gibt es dort nicht. In der ersten Runde war es wie im Comic, da saß auf der einen Schulter das Engelchen und sagte: "Tobi, mach langsam, wir wollten besonnen, langsam und kontrolliert starten, der Tag wird lang." Auf der anderen Seite saß aber das Teufelchen und sagte: "Tobi, gar kein Problem, fühl mal in deine Beine, es ist alles ganz locker, wir könnten noch schneller treten, es ist alles gut so." So führt man wirklich Selbstgespräche, man hat ja Zeit :-) und schwankt zwischen beiden Seiten, versucht das Beste rauszuholen ohne zu überpacen und sich dabei gut zu versorgen.
Nach 06:08Std. erreichte ich die zweite Wechselzone, wo das Fahrrad gegen die Laufschuhe getauscht wird und man zum Abschluss den Marathon starten muss oder darf. Ein Marathon allein zu laufen, ist für viele ja schon eine Herausforderung, und den normalen Stadtlauf-Marathon, läuft man ja in der Regel im Frühjahr oder Herbst, bei kühlen bis mittleren Temperatruren. Bei einer Triathlon Langdistanz ist es eigentlich immer warm bis heiß, denn das Schwimmen findet ja im Freiwasser statt, das geht außerhalb des Sommers meistens nicht. Somit war der mir bevorstehende Marathon bei knapp 30Grad noch härter, als er eh schon ist.
Bis hier her, habe ich mich ganz gut gefühlt, die letzten 30km auf dem Rad haben aber schon angedeutet, dass ich doch etwas zu schnell gefahren war, oder meine Verpflegung unterwegs nicht optimal war. Die Oberschenkel machten auf sich aufmerksam, aber nach über sieben Stunden Sport am Stück, kann das eben passieren. Und hier macht es sich dann eben doch bemerkbar, dass meine Vorbereitung sehr kurz und ohne Grundlage verlaufen war. Beim Anlaufen in den Marathon spürte ich schnell, "Tobi, das wird ein langer und harter Lauf".
So lief ich die ersten 15km noch ganz rund in einem Tempo, was ich als angenehm empfand, doch dann wurden die Oberschenkel zum Problem. Sie schmerzten mittlerweile ziemlich stark, eine normale Trainingseinheit, die hätte ich schon längst abgebrochen. Aber im Wettkampf nimmt man deutlich mehr Strapazen auf sich und so lief ich weiter. Ich versuchte, mich so gut es ging an den Versorgungsstationen zu versorgen, zu trinken und ein Gel zu nehmen. Feste Nahrung, das wollte mein Magen nicht, nach dem ganzen Zucker, den man über den Tag mittlerweile zu sich genommen hat. Es half mir auch sehr, dass mein Schwager mit Freundin, meine Frau und die zwei Kids da waren, sie feuerten mich immer wieder an, standen mal hier an der Strecke, mal dort. Aufgeben war somit keine Option, ich hatte ja schon mehrfach die Vorbereitung abbrechen müssen, nun werde ich es durchziehen, da war ich mir sicher. Doch die Schmerzen in den Beinen, sie wurden immer stärker, die Pausen an den Verpflegungsstationen wurden länger und zum wieder Anlaufen, musste ich mich schon zwingen. Und zu diesem Zeitpunkt, hatte ich aber noch gut 15km vor mir... Wir sprechen also von noch rund zwei Stunden laufen, was mir bevor stand, nach über 10 Stunden, die meine Beine bereits gearbeitet hatten.
Ab hier war es nur noch mein Wille, der mich weiter getragen hat. Der Körper sagte mittlerweile ganz deutlich, "Tobi, alles was du nun machst, jeder Kilometer, den du weiter läufst, wird definitiv einen Schaden an uns verursachen, muskulären Schaden".
Da ich mir fest vorgenommen hatte, diesen Triathlon gemeinsam mit meinem Körper zu bestehen, habe ich zu ihm gesprochen, wirklich laut gesprochen und gesagt: "Es tut mir leid, aber ich kann und werde hier nicht aufhören. Wir zwei haben so viel und hart trainiert, das ziehen wir nun durch. Dann aber, das verspreche ich dir, bekommst du so viel Ruhe wie du benötigst, um wieder zu heilen. Bitte halte durch und bring mich ins Ziel."
Das klingt vielleicht etwas kitschig, oder seltsam, übertrieben oder nutzlos, denn es ist ja mein Körper, also ich selbst. Aber es war wie ein Vertrag, den ich in diesem Moment mit meinem Körper geschlossen hatte. Er hält durch, bringt mich ins Ziel und ich werde ihn dafür anschließend wieder die Nährstoffe und die Zeit geben, um in Ruhe zu heilen und zu regenerieren.
So lief ich weiter und weiter, bergauf war mittlerweile nur noch gehen statt laufen möglich, alles tat so weh, aber ich wusste innerlich, ich werde das Ziel erreichen.
Nach insgesamt 12 Stunden, 43 Minuten und 35 Sekunden war es dann schließlich geschafft. Ich lief, gemeinsam mit meinen zwei Kids, die 300m vor dem Ziel auf mich warteten und ich ab dort einfach mitgenommen hatte, in das aufgebaute große Stadion ein und nach der dortigen Ehrenrunde ins Ziel. Das große Ziel war erreicht, sechs Jahre nach der ersten Anmeldung habe ich mein persönliches, sportliches Highlight erreicht und eine Triathlon-Langdistanz ins Ziel gebracht, gefinisht.

Es war sehr viel zu lesen für dich bis hier her, was soll nun meine Geschichte dir persönlich bringen?
Wichtige Lektion, auch für DICH: Achte auf deinen Körper, denn du hast nur den einen...



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